Die IT-Landschaft großer Banken besteht naturgemäß aus isolierten Systemen, ist durch Akquisitionen gewachsen und beinhaltet zahlreiche Legacy-Systeme – oder IT-Spaghetti. Das macht die digitale Transformation großer Banken kompliziert.

Die Pflege solcher IT-Landschaften schluckt Ressourcen und Budgets, das kann die Fähigkeit zur Innovation und Transformation beeinträchtigen. Ein wichtiger erster Schritt, um das zu ändern ist, sich ein genaues Bild Ihrer Ist-IT-(Spaghetti)-Landschaft und Geschäftsprozesse zu verschaffen.

Die Inventarisierung Ihrer IT macht Komplexität und Systemabhängigkeiten sichtbar und deckt Redundanzen auf. Außerdem kann sie die damit verbundenen Ausgaben offenlegen: für Lizenzen, Support-Verträge oder Personalkosten für interne Mitarbeiter, die sich um den Betrieb der Systeme kümmern. Durch eine intelligente Rationalisierung der Systeme sind erhebliche Kosteneinsparungen möglich.

Das so freigewordene Budget kann für Transformationsprojekte verwendet werden. Dafür sind eine integrierte Enterprise-Architektur und Funktionen für Portfoliomanagement und IT-Planung wichtig. Denn nachdem Sie Ihre Systeme rationalisiert und signifikante Einsparungen erzielt haben, wollen Sie ja schließlich nicht einen neuen Spaghetti-Layer schaffen oder neue Systeme für Funktionen kaufen, die sie durch vorhandene Systeme abdecken können.

Die Bereitstellung einer durchgängigen, unternehmensweiten Transparenz heißt: vorhandene IT kann potenziell weitergenutzt werden, was wiederum zu Kosteneinsparungen führt. Denn Sie reduzieren einerseits die IT-Ausgaben und verkürzen andererseits die Projektlaufzeiten, weil keine langwierigen Beschaffungs-, Installations-, Implementierungs- und Schulungsprozesse nötig sind. Diese Transparenz unterstützt außerdem die Standardisierung und eine engere Abstimmung von Business und IT.

Und da ist noch das operative Risikomanagement. Die Steuerung und Kontrolle von Komplexität und Abhängigkeiten ist ein wichtiger Aspekt. Ebenso wichtig ist es aber sicherzustellen, dass Lizenzen und Verträge in Ordnung sind und alle wichtigen Systeme ohne größere Kompetenzlücken unterstützt werden können. Auch wichtig ist die Steuerung von Risiken im Zusammenhang mit Drittfirmen, insbesondere angesichts des schnellen Auftauchens und Verschwindens von Fintechs.

Anfang des Jahres hat die CFTC festgestellt, dass Cyber-Attacken das größte Einzelrisiko für die globalen Finanzmärkte sind. Seither haben wir den Hacker-Angriff auf die Zentralbank von Bangladesch und die Bitcoin-Börse Bitfinex gesehen. Anonyme Gruppen greifen Banken, Zentralbanken und Börsen auf der ganzen Welt an. Zur Steuerung dieser Risiken ist ein exaktes IT-Inventar unerlässlich; wenn Sie nicht wissen, welche Systeme Sie haben oder wie sie miteinander verknüpft sind, haben Sie keine Chance zu erkennen, wo potenzielle Angriffspunkte liegen, und ein angemessener Schutz vor Bedrohungen oder eine Disaster-Recovery-Planung sind nicht möglich.

Bei der digitalen Transformation geht es um die Transformation eines Unternehmens mithilfe von Technologie, also müssen Business und IT harmonisiert werden. Eine Systemrationalisierung ist ohne ein Verständnis der Geschäftsprozesse, die von den Systemen unterstützt werden, und der funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen des Business nicht durchführbar. So muss zum Beispiel einer Standardisierung der Message-Bus-Technologie die Analyse der Anforderungen Ihrer Handelsabteilung an Latenz und Durchsatz vorausgehen.

Durch die Analyse und Optimierung vorhandener Geschäftsprozesse können signifikante Kosteneinsparungen erzielt, Prozesseffizienzen erreicht und die Customer-Experience verbessert werden, beispielsweise durch eine Verkürzung der Kunden-Onboarding-Zeit oder die Information des Kunden über den Status seiner Anwendung. Diese Analysen und Optimierungsmaßnahmen müssen unbedingt gemeinsam und für alle Beteiligten, einschließlich der IT, transparent durchgeführt werden. Dank eines gut geführten IT-Inventars können solche Prozessoptimierungsmaßnahmen sogar zur einer Rationalisierung der IT-Systeme oder einer besseren Nutzung anderer vorhandener Systeme führen. Transformation ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess mit dem Ziel, das Unternehmen zu optimieren, seine Wettbewerbsfähigkeit und Relevanz für die Kunden zu verbessern. Die beschriebenen Maßnahmen sind ein guter Anfang für Ihre Transformation, aber auch sie müssen kontinuierlich durchgeführt werden, sonst enden Sie bald wieder dort, wo Sie angefangen haben: in einem Chaos aus IT-Spaghetti.

Steffen Lorenz

Principal Consultant bei SAG Deutschland GmbH

Steffen Lorenz arbeitet als Principal Consultant für die SAG Deutschland GmbH. Als Diplom-Wirtschaftsinformatiker beobachtet und bewertet er aktuelle Wirtschaftstrends, individuelle Kundenanforderungen und neueste Technologien.
Als Experte schreibt Steffen Lorenz über Lösungsstrategien zur erfolgreichen Transformation in Richtung Digitales Unternehmen.
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