Der Chief-Digital-Officer (CDO) spielt eine zentrale Rolle im digitalen Unternehmen und deshalb auch für den zukünftigen Betriebserfolg.

Sie oder er muss breit aufgestellt sein, muss die vielen neuen IT-Technologien, die ununterbrochen auf den Markt kommen im Auge behalten und muss gleichzeitig ein Auge darauf haben, wie durch die nahezu unendlichen Kombinationsmöglichkeiten dieser Technologien ein Unternehmen zu einem digitalen Unternehmen werden kann.

Warum? Weil die neuen digitalen Geschäftsmodelle digitaler Unternehmen auf IT basieren, konkret auf Software, mit der die digitale und die physische Welt verbunden werden. Wenn also Software die Verbindung zwischen digitaler und physischer Welt ist, dann ist der CDO die Verbindung zwischen IT und Business. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille.

Mithilfe von Software erweitern Unternehmen ihre Geschäftsmodelle oder entwickeln neue, die vollständig digitalisierte Kundenerlebnisse ermöglichen. Das sehen wir bei den jungen digitalen Unternehmen, die über keinerlei physische Werte verfügen: keine Fahrzeugflotten, keine Fabriken, keine Maschinen oder Waren. Sie verdanken es ihren Geschäftsmodellen, die ausschließlich auf Software-Plattformen basieren, dass sie so schnell agieren können und häufig ein exponentielles Wachstum verzeichnen. In der digitalen Welt geht es um alles oder nichts.

Wenn die digitalen Herausforderer ein Marksegment angreifen, treiben sie einen Keil zwischen die etablierte Unternehmen und ihre Kunden und bieten basierend auf digitalen Technologien völlig neue Wege der Kundeninteraktion. Uber macht das mit Taxi-Unternehmen, Airbnb mit Zimmervermietern und Alibaba mit Millionen von Produktionsbetrieben und Einzelhandelsunternehmen.

Die Gefahr, reduziert zu werden auf reine Zulieferer von Geräten und Waren für die digitalen Spieler, besteht für alle traditionellen Unternehmen in jeder Branche. Die digitale Disruption ist deshalb der Albtraum von Management-Teams auf der ganzen Welt.

Aber die digitale Disruption ist nichts anderes als gelebte digitale Innovation. Sie macht das Ineffiziente effizient. Sie verschiebt auf Makro- und Unternehmensebene Ressourcen dahin, wo sie die größte Wirkung erzielen. Und Innovation steht jedem offen.

Es gibt kein Naturgesetz, nach dem die neuen, rein digitalen Marktteilnehmer die Kundenbeziehungen der traditionellen Unternehmen einfach kapern können. Unternehmen mit materiellen Werten können mit denselben Waffen zurückschlagen: digitalen Waffen, für die ihre eigenen digitalen Software-Plattformen die Munition liefern. Angemessen bewaffnet können sie den aktuellen Herausforderungen furchtlos begegnen.

Um zu überleben müssen traditionelle Unternehmen eine In-House-IT-Infrastruktur und eigene Software-Entwicklungsmöglichkeiten herausbilden. Sie müssen dahin zurückgehen, wo sie waren, bevor Sie ihren Wettbewerbsvorteil ausgelagert haben, und sie müssen einen neuen Weg einschlagen.

Es beginnt an der Spitze – Innovation durch Software ist im Augenblick die einzige Möglichkeit, und der CDO muss sich darauf konzentrieren, die Innovationsfähigkeit des Unternehmens zu verbessern, indem er Datenanalyse, Software-Entwicklung und Software-Architektur-Know-how in seinem Unternehmen vorantreibt. Wer sich auf Standard-Geschäftslogik und -Geschäftsmodelle verlässt, die von ERP- und anderen relativ statischen Anwendungen bereitgestellt werden, kann im digitalen Zeitalter nicht bestehen. Jedes Unternehmen wird zum Software-Unternehmen, und jedes Unternehmen nutzt Software, um seinen Wettbewerbsvorsprung zu vergrößern.

Die Entwicklung moderner Geschäftsstrategien erfordert deshalb eine umfassende Kenntnis der Gefahren, Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung sowie der IT-Technologien und Software-Werkzeuge, mit denen man diesen begegnen kann. Um zu erkennen, welche der vielen kommenden und bereits vorhandenen Technologien eine dauerhafte Wirkung haben werden, braucht es sowohl technische als auch unternehmerische Fähigkeiten.

Und hier kommt unser Renaissance-Mensch, der Chief Digital Officer, ins Spiel. Als ein CIO+ oder gemeinsam mit dem CIO, braucht jeder Vorstand dieses Fachwissen, denn digitale Strategie und Unternehmensstrategie sind heute eins geworden.

Karl-Heinz Streibich

Bis 2018 CEO bei Software AG

Karl-Heinz Streibich war bis August 2018 Vorstandsvorsitzender der Software AG. Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom AG, der Dürr AG und der Deutschen Messe AG, sowie ehrenamtlich tätig im Präsidium des deutschen IT–Verbands BITKOM und hält den Co-Vorsitz der Plattform „Digitale Verwaltung und öffentliche IT“ des Nationalen IT-Gipfels der Bundeskanzlerin. Zudem ist er Mitbegründer des deutschen Exzellenzclusters für Software.
Teilen:
%d Bloggern gefällt das: