Im Forschungsprojekt “Inverse Transparenz” arbeitet die Software AG daran mit, die Datenverwendung für den Beschäftigten selbst transparent zu gestalten.

Im Arbeitsprozess fallen immer mehr Daten an, die unterschiedlich dokumentiert und sichtbar sind. Nicht immer wird für den Mitarbeiter transparent, was mit diesen Daten geschieht. Entwickelt sich hier nicht das Potenzial für eine umfassende Kontrolle und Überwachung von Beschäftigten und ihrer Arbeit? Genau damit befasst sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt Inverse Transparenz.

Mit „Vertrauenskultur statt Kontrollkultur“ setzt das Projekt ein neues Paradigma: die konsequente Teilnahme der Mitarbeiter an der Kontrolle der Verwendung ihrer Daten. Diese Offenheit zielt auf die Kontrolle der Beschäftigten (Employee Empowerment) über die eigenen Daten, stärkt das Vertrauensverhältnis zu seinem gesamten Umfeld und bietet eine regelkonforme Grundlage für den Datenumgang. Durch die Digitalisierung in der Produktentwicklung werden bei der Software AG z.B. alle Aufgaben in dem Problemverfolgungstool iTrac erfasst und priorisiert und die jeweiligen Arbeitsprozesse- und -schritte geplant. Die zentralen Systeme und ihre Daten stehen einer breiten Masse an Datennutzern, Teammitgliedern, Führungskräften, dem Management, und gegebenenfalls anderen interessierten Abteilungen für weitere Arbeitsschritte bzw. zur Informationsgewinnung zur Verfügung.

Gefahr des gläsernen Mitarbeiters

Die Daten führen zu einem digitalen Abbild der Arbeitsweise des Mitarbeiters. Technisch gesehen ermöglichen es die Systeme ohne großen Aufwand eine Verhaltens- und Leistungskontrolle über jeden Systemnutzer oder Mitarbeiter zu erstellen. Ganz im Stil des „Gläsernen Menschen“, könnte jeder Schritt verfolgt werden. Die Leistungen ließen sich mit denen anderer Kollegen vergleichen. Der Mitarbeiter könnte so in seinem Handeln, seiner Arbeitsweise und seiner Effektivität transparent werden, sich damit beobachtet und eingeschränkt fühlen und aufgrund dessen könnte sein Handeln und Verhalten beeinflusst werden.

Zusätzlich zu den klassischen Instrumentarien zum Schutz der Mitarbeiterdaten, wie sie z.B.: das Datenschutzgesetz, das Betriebsverfassungsgesetz, der Schutz durch den IuK-Ausschuss und den Betriebsrat als Kontrollorgan etc. darstellen, ist es das Ziel des Projekts „Inverse Transparenz“, die Datensouveränität der Beschäftigten zu stärken und ihnen aufzuzeigen, wie ihre Daten im Unternehmen genutzt werden, ohne einen Datenmissbrauch fürchten zu müssen.

Inverse Transparenz setzt auf drei zentrale Prinzipien:

  • „Watch the Watcher“: Die Verwendung von Daten für die Beschäftigten sichtbar machen
  • Beteiligung: Beschäftigte zu Akteuren eines beteiligungsorientierten Datenschutzes befähigen
  • Empowerment: Beschäftigte zur aktiven Nutzung von Daten befähigen, um eigenständig Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen zu verbessern

 

Expertengespräche in der Software AG

Um im Projekt ganz nah am Beschäftigten zu sein, wurden Mitarbeiter bei uns in der Software AG befragt. Die Kollegen aus allen drei wissenschaftlichen Einrichtungen des Projekts erhoben Daten an den Standorten Saarbrücken und Darmstadt. Das Sample bestand aus 22 Interviewten bei der Software AG – 14 in Darmstadt und acht in Saarbrücken. Die Interviews führten die Kollegen als Expertengespräche mit VertreterInnen des Managements aus diversen Leitungsfunktionen (Bereichs-, Abteilungs- und Teamleiter), aus HR, dem Betriebsrat sowie mit den Beschäftigten aus Entwicklung und Support durch. Dabei ging es um Fragen wie „Welche Bedeutung haben Daten im Arbeitsalltag?“ oder „Wie nutzen Beschäftigte selbst Daten aus dem Arbeitsprozess?“ und „Wie erleben sie die Transparenz?“.

Alle Interviews wurden bereits qualitativ ausgewertet. Erste Teilergebnisse der Forschungspartner zeigen, dass jüngere Befragte prinzipiell offener mit der Transparenz ihrer Daten umgehen, während etablierte Kollegen skeptischer gegenüber dem Vorhaben waren. Allerdings ist festzuhalten, dass auch sie, wie die jüngeren Kollegen, den Mehrwert der Transparenz erkannt haben und schätzen.

 

Kollegen für Praxislaboratorien gesucht

Das 36-monatige Projekt gliedert sich in drei Phasen: Analysephase, Pilotierungsphase und Transferphase. Am Ende jeder Phase steht ein Wissenschafts-Praxis-Dialog, bei dem sich Forschungspartner und die Software AG zusammenfinden, um die zentralen Befunde zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

Im zweiten Quartal des nächsten Jahres soll dann in Praxislaboratorien der Prototyp in der Praxis angewendet werden. Es werden noch Kollegen aus der Entwicklung in Deutschland gesucht, die das Tool testen wollen. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei den Projektleitern Christian Gengenbach oder Klotilda Muca melden.

 

Das Projekt Inverse Transparenz

In dem interdisziplinären Forschungsprojekt arbeiten drei wissenschaftliche Einrichtungen mit: das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF München), die Technische Universität München (TU München) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München). Sie alle haben es sich zum Ziel gesetzt, Potenziale und Anwendungsszenarien inverser Transparenz in einer digitalen Arbeitswelt zu bestimmen. Die Software AG ist nicht nur ein relevanter Forschungspartner aus der Industrie, sondern hat die spezielle Rolle des Anwendungspartner in allen Phasen der Forschung übernommen. Konkret bedeutet dies, dass bei der Software AG die Pilotlösungen erprobt und Erfolgsfaktoren für eine breite Anwendbarkeit und Umsetzung des Kozepts entwickelt werden.

Ardita Kolari

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