Das Paradoxon der Digitalisierung

Das Paradoxon der Digitalisierung

Es mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Aber wenn wir heute über Digitalisierung sprechen, geht es nicht mehr in erster Linie um die Anwendung unterschiedlicher Technologien, sondern vielmehr um Strategien für das Unternehmen als Ganzes. Die Zeiten, in denen IT lediglich ein Instrument war, das wie eine Kostenstelle verwaltet wurde, sind längst vorbei. IT sollte heute ein Innovationsmotor und -katalysator sein, der ganzheitlich – also für das gesamte Unternehmen – entwickelt wird.

Kaum ein neues Produkt oder neuer Service kommt heute ohne moderne Technologie aus. Kein Unternehmen kann auf moderne Technologie verzichten. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Corona-Pandemie: Dank digitaler Technologien – insbesondere Softwarelösungen – konnten sich Unternehmen und ganze Branchen über Wasser halten. Wir haben gesehen, dass digitale Technologien eine höhere Effizienz ermöglichen. Wir haben erkannt, was digitale Technologien leisten können – und was passiert, wenn sie fehlen.

Das Paradoxon der Digitalisierung

Obwohl digitale Technologien immer relevanter werden, sind sie selten der Schlüsselfaktor. Das kann man getrost als Paradoxon bezeichnen. Hardware wird immer austauschbarer, weil sich Leistungsunterschiede nicht mehr auf ein bestimmtes Gerät oder eine bestimmte Komponente zurückführen lassen. Und Unternehmen, die eine Cloud nutzen, haben sowieso kaum Einfluss auf die eingesetzten Server, Netzwerkkomponenten oder Datenbanken. Auch auf die Frage nach der der richtigen Anwendung für datengestützte Geschäfts- und Ertragsmodelle gibt es kaum eindeutige Antworten. Selbst KI-gestützten Algorithmen fehlen Alleinstellungsmerkmale, durch die sie sich grundlegend von anderen unterscheiden. Worauf es wirklich ankommt, ist die Zusammenführung und Integration hybrider und heterogener IT-Systeme sowie die Verbindung traditioneller IT und moderner Cloud-Technologien. Das bedeutet: je wichtiger digitale Technologien werden, umso unwichtiger werden einzelne Lösungen.

Dieses Paradoxon lässt sich nicht mithilfe von Technologie auflösen. Dafür braucht es eine unternehmensweite Strategie, in deren Mittelpunkt ein überlegenes und reibungsloses Kundenerlebnis steht.

Eine Strategie macht ein Stück Technik – einen Sensor, eine Netzwerkkomponente, selbst einen Algorithmus – zu einem Geschäftsmodell. Erst eine Strategie beantwortet die Frage nach dem passenden Geschäftsmodell oder der geeigneten Technologie.

Vernetzt und aufeinander abgestimmt

Damit diese Strategie funktioniert (und hier sind wir wieder bei der Technologie), muss ein Unternehmen sich auf ihre Umsetzung vorbereiten. Dazu gehören meiner Meinung nach eine durchgängige Digitalisierung und Vernetzung, die alle Prozesse und die gesamte Wertschöpfungskette des Unternehmens einschließt. Nur so wird ein Unternehmen in der Lage sein, die Datenqualität zu erreichen, die es für neue Geschäftsmodelle und detaillierte Einblicke in seine Prozesse braucht. Die meisten Unternehmen verfügen bereits über das für die Datenerfassung, -speicherung und -analyse wichtigste System: das ERP-System. Was ihnen häufig noch fehlt, ist die Fähigkeit, ihre Assets, Maschinen und Produkte durchgängig mit ihrer traditionellen IT zu verbinden, die nur in der Cloud beliebig skalierbar, hoch verfügbar und sicher ist. Nur wenn diese Konnektivität gegeben ist, lassen sich Daten aus der Produktion, dem Anlagenbetrieb und der tatsächlichen Nutzung der Produkte gewinnen.

Digitale Zwillinge, Edge Computing, IoT: Möglichkeiten für vernetzte Unternehmen

Der digitale Zwilling ist eines des augenfälligsten Beispiel für eine neue Technologie, die nur in einem digitalisierten Unternehmen funktioniert. Ein digitaler Zwilling ist das digitale Abbild eines Objekts und arbeitet genauso wie sein reales Gegenstück. Die Daten des digitalen Zwillings können beispielweise verwendet werden, um den Betrieb eines realen Objekts zu simulieren, Predictive-Maintenance-Zyklen festzulegen und Funktionen und Funktionserweiterungen unter realistischen Bedingungen zu testen. Er hilft Unternehmen beim Betrieb von Maschinen und Anlagen Zeit und Geld zu sparen und neue marktreife Produkte schnell und kostengünstig zu entwickeln.

Daten in der Cloud und am Edge

Digitale Zwillinge, vernetzte Produktionsanlagen und ERP-Systeme erzeugen entlang der Wertschöpfungskette riesige Datenmengen. Die Cloud bietet die Skalierbarkeit, Performance und Sicherheit, um diese Daten zu speichern und zu verarbeiten. Aber nicht immer ist eine solch komplizierte Speicherung und Verarbeitung möglich, sinnvoll oder nötig, etwa bei entfernten Produktionsanlagen und Stromgeneratoren oder Sensoren in schwer zugänglichen Gebäuden, die dennoch wertvolle Daten erzeugen.

Edge Computing – über Sensoren, Aktoren und Gateways – erlaubt es Unternehmen Daten vor Ort zu verarbeiten, ohne auf die Cloud oder ein großes Rechenzentrum zurückzugreifen. Um aber große Datenmengen zu analysieren und zu nutzen, ist eine temporäre Verbindung mit der Cloud unabdingbar. Edge- und Cloud-Computing sind keine Gegensätze. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille: bei beidem geht es darum, aus Daten operative und strategische Entscheidungen abzuleiten.

Für welches Konzepten man sich auch entscheidet, es gibt einen klaren Verlierer: Reine On-Premise-Anwendungen und firmeneigene Rechenzentren mögen temporär aufgrund von gewachsenen Infrastrukturen und Legacy- und Nischenanwendungen ihre Berechtigung haben. Sie werden diese jedoch nach und nach verlieren. Doch selbst wenn mit jeder Modernisierungsstufe ihre Daseinsberechtigung bröckelt, werden Unternehmen noch eine Weile an ihnen festhalten. Daher sind auch im Zeitalter von Cloud und Edge Integratoren wichtig, die traditionelle und zukunftsorientierte IT verbinden.

Verbindung mit dem Business

All diese technischen und operativen Fragen ergeben sich aus der Geschäftsstrategie. Auch für uns als Anbieter von Integrations- und Cloud-Lösungen verändert sich das Geschäft dadurch grundlegend. Wir bieten nach wie vor traditionelle IT-Lösungen und Middleware an. Aber wir arbeiten immer stärker mit Business-Expertinnen und Experten zusammen, die sich kaum oder gar nicht für Technologie interessieren, dafür aber umso für den Business Case dahinter. Sie wollen keine komplizierten Datenblätter sehen. Ihnen geht es um Antworten auf ihre Fragen, schnelle Verfügbarkeit, intuitive Benutzeroberflächen und ein überlegenes, reibungsloses Kundenerlebnis.

Dies ist die neue, wirklich digitale Generation, die in den kommenden Jahren nicht nur Unternehmen, sondern auch unsere Welt verändern wird. Sowohl Anbieter als auch Anwenderunternehmen müssen sich dieser neuen Realität stellen. Im Schulterschluss zwischen Business und IT müssen sie die nächste Stufe der Digitalisierung erklimmen, sonst werden sie bald schon Geschichte sein.

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Der Mittelstand: Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und die treibende Kraft für die wirtschaftliche Erholung

Der Mittelstand: Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und die treibende Kraft für die wirtschaftliche Erholung

Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession: Für die globale Wirtschaftsleistung wird ein Rückgang um 8,5 Billionen Dollar über die nächsten zwei Jahre erwartet. Alle wichtigen Länder in der OECD verzeichneten im zweiten Quartal 2020 ein negatives BIP-Wachstum. In Deutschland hingegen zeichnet sich mit einem Minus von 9,7 Prozent ein weitaus geringerer Rückgang ab als in anderen europäischen Ländern.

Anzeichen für Resilienz und Erholung

In Deutschland müssen wir jetzt einen nachhaltigen und kräftigen Aufschwung anstreben, was mit Resilienz gegenüber jenen Schwachstellen erreicht werden kann, die die Pandemie aufgedeckt hat. Die Wirtschaft hat einen Schlag erlitten, aber die Unternehmen müssen proaktiv bleiben. Sie müssen neue Wege für ihre Geschäftsmodelle finden, in ihren täglichen Aktivitäten effizienter sein und international mit neuen Handelspartnern expandieren.

Der Mittelstand wird das Wachstum antreiben

Der deutsche Mittelstand hat sich als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Wenn die Wirtschaft sich schnell erholen sollte, wird es der Mittelstand sein, der diese Erholung treibt. Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind die mittelständischen Unternehmen eher konservativ, nicht an der Börse notiert und werden für ihre präzise Ingenieurskunst und hohe Qualität geschätzt.

Mehr als die Hälfte der deutschen KMU (54 Prozent), die den Mittelstand ausmachen, halten neue Technologien für absolut notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Digitalisierung ist für 76 Prozent eine strategische Priorität. Ihre Situation ist ähnlich wie die der meisten Unternehmen weltweit.

Technologie ist die Grundlage für die Resilienz von Unternehmen. Investitionen in die digitale Transformation sind der Grund dafür, dass Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen leistungsfähig bleiben können. Nur so können Unternehmen schnell Entscheidungen treffen und die nötigen Veränderungen vornehmen. Es mag einfach aussehen, aber all das ist nur möglich, weil in der Wirtschaft kontinuierlich in Digitalisierung investiert wird.

Ein gutes Beispiel hierfür ist ADAMOS, ein Joint Venture zwischen Maschinenbauern und Software- und Serviceunternehmen. Unternehmen wie Dürr und DMG Mori haben in Technologie investiert, um ihre Roboter miteinander zu verbinden, Lösungen für die digitale Fertigung zu entwickeln, neue Geschäftsmodelle umzusetzen und einen Standard für die Fertigungsindustrie zu etablieren. Dadurch wurden sie zu digitalen Unternehmen, was ihre Resilienz stärkt und sie widerstandsfähiger gegen die pandemiebedingten Einschränkungen macht. Die aktuelle Situation ist besonders hart für Familienbetriebe, die die Sicherheit ihrer Belegschaft gegen die Notwendigkeit der Rückkehr zu einer normalen Produktion abwägen müssen. Die Bäckerei Göbecke in Leipzig setzt zum Beispiel eine Lösung ein, in der intelligente Badges für einen sicheren Abstand zwischen den Mitarbeitern sorgen: Ein akustisches Signal ertönt, wenn sich Kollegen über eine gewisse Zeit in zu engem Abstand zueinander befinden. Dies ist ein Beispiel, wie Technologie helfen kann, dass Mitarbeiter in eine sichere Arbeitsumgebung zurückkehren können.

Der digitale Eiserne Vorhang

Das Wachstum des Mittelstands wird grenzüberscheitenden Handel erfordern. Deshalb müssen die Unternehmen neue Partner auf der ganzen Welt finden. Der Digitalisierungsgrad wird für den schnellen Aufbau und die einfache Integration dieser neuen Beziehungen entscheidend sein. Es sind jedoch noch andere Kräfte am Werk, die dies zu einer Herausforderung machen.

Ein „Digitaler Eiserner Vorhang“ trennt die Welt. Durch konkurrierende geopolitische Ziele und Spannungen entstehen zwei Systeme, die zunehmend inkompatibel sind. Auf der einen Seite gibt es US-Sanktionen, die chinesische Unternehmen einschränken, die auf US-Mikrochips und Software angewiesen sind. Auf der anderen Seite steht China, das seine eigenen Systeme und Software entwickelt. Langsam aber sicher entsteht eine zweigeteilte Welt, die nicht mehr in der Lage sein wird, zusammenzuarbeiten. Unternehmen müssen daher entweder einen Weg finden, mit diesen verschiedenen Systemen zu arbeiten, oder sich zwischen ihnen entscheiden.

Der Aufschwung ist gefährdet, wenn man seine Produkte nur in eine Hälfte der Welt verkaufen kann. Digitale Unternehmen sind in der Tat am besten positioniert, um durch den „Digitalen Eisernen Vorhang“ zu gelangen, weil sie flexibler sind, wenn es um neue Technologien geht. Aus diesem Grund sind sie auch widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen der Pandemie und der Rezession.

Die Regierung spielt eine wichtige Rolle für den Neustart

Die deutsche Regierung hat während der Krise schnell und entschlossen gehandelt, und damit das Ausmaß an Turbulenzen vermieden, die anderswo zu beobachten waren. Weiche Lockdowns und Konjunkturpakete halfen, die Menschen und Unternehmen zu unterstützen. Die jüngste Entscheidung, die Kurzarbeitsregelung bis 2021 zu verlängern, zeugt von einem anhaltenden Engagement zur Abwendung weiterer wirtschaftlicher Härten.

Die Unterstützung ist da, aber die Regierungen müssen nachlegen und die Unternehmen – entweder durch Richtlinien oder finanzielle Anreize – zu den richtigen Investitionen führen. Die Unternehmen ihrerseits müssen sich bewusst zu mehr digitalen Lösungen verpflichten. Dadurch wird sichergestellt, dass die vorhandene Unterstützung zu den bestmöglichen Ergebnissen führt.

Wenn Technologie die Grundlage für Veränderungen ist, können sich Unternehmen schnell weiterentwickeln. Sie können digitale Barrieren und eine schrumpfende Wirtschaft verhindern. Digitale Unternehmen sind in der Lage, Chancen zu erkennen und zu ergreifen, sobald sie sich bieten. Ein starker und nachhaltiger Aufschwung setzt voraus, dass dies mehr Unternehmen tun – vom deutschen Mittelstand bis zu allen Unternehmen weltweit. Das nächste Jahr wird eine weitere Bewährungsprobe für ihre Resilienz sein.

Hier lesen Sie, wie Unternehmen die Digitalisierung gemeistert haben

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Ungeheure Datenmengen? – Mit Streaming Analytics behalten Sie den Überblick

Ungeheure Datenmengen? – Mit Streaming Analytics behalten Sie den Überblick

Egal ob Unternehmen in ihren verschiedenen Fachbereichen unterschiedliche Transaktionssysteme nutzen oder sie sich mehr Transparenz in ihrer Lieferkette wünschen – leistungsfähige Streaming-Analytics-Lösungen ermöglichen es, wertvolle Erkenntnisse aus den eigenen Daten zu ziehen und unterstützen so bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsziele. Streaming Analytics ermöglicht es Unternehmen in Echtzeit Einblicke aus großen und sich schnell verändernden Datenmengen zu gewinnen und erlaubt die Vorhersage, was als nächstes passieren wird. Risiken und Chancen werden sofort erkannt, sodass die Firma optimal auf diese reagieren kann.

Nicht nur für IT-Profis
Mittlerweile ist selbst komplexe Software nicht mehr nur Sache von IT-Fachleuten, sondern bindet auch Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse ein. Durch übersichtliche Bedienungsoberflächen können beispielsweise Business Analysten die Tools von heute bedienen. Streaming Analytics steigert also die Effizienz von Prozessen – vor allem wenn die Lösung ohne Programmierung auf Seiten des Kunden auskommt. So erstellen auch Nicht-IT-Fachkräfte mithilfe einer übersichtlichen Benutzeroberfläche im leistungsfähigen Tool präzise Analyseszenarien. Durch grafisch dargestellte APIs gelingt eine schnelle Anwendungsentwicklung auch ohne Programmierkenntnisse. Der Einsatz von Lösungsbibliotheken zur Beschleunigung der Anwendungsbereitstellung ist immer verbreiteter und fördert die Entwicklung von individuellen Ansätzen für Unternehmen, um nach Bedarf schnell selbst die passenden Anwendungen entwickeln zu können.

Einsatz im echten Leben
Doch wie kommt Streaming Analytics nun tatsächlich zur Anwendung? Der Einzelhandel beispielsweise nutzt Streaming Analytics, um Echtzeitdaten zum Kaufverhalten des Kunden zu eruieren oder die Customer Journey zu optimieren. Letztendlich wird so das Kauferlebnis der Kunden für Marketer nachvollziehbar. In der Finanzbranche unterstützt Streaming Analytics dabei, den schnelllebigen Devisenmärkten immer einen Schritt voraus zu sein. Vermeintliche Betrugsfälle können außerdem leichter und effizienter aufgespürt werden. Vertriebskanäle eines Unternehmens nutzen Streaming Analytics, um eine größere Transparenz zu ermöglichen und bei der Produktsuche zu unterstützen.

Mit Streaming Analytics das ganze Potential der eigenen Daten ausschöpfen
Dank einer Streaming-Analytics-Technologie sind Unternehmen in der Lage, ihre Daten zu jeder Zeit im Blick zu halten und wie sie, sie optimieren können. Daher sind vor allem auch Echtzeit-Analysen entscheidend für Unternehmen, sodass sie aus der eigenen Datensammlung einen Mehrwert generieren und so einen maximalen Wettbewerbsvorteil erzielen.

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„Was das Internet für Informationen ist, ist die Blockchain für Transaktionen“

„Was das Internet für Informationen ist, ist die Blockchain für Transaktionen“

Interview mit Andrea Bürck, Head of Sales bei TYMLEZ

Frau Bürck, Sie arbeiten beim deutsch-niederländischen Blockchain-Start-up TYMLEZ und waren auch bei der diesjährigen InnovationTour dabei. Können Sie uns erklären, was TYMLEZ macht und wie Sie mit der Software AG zusammenarbeiten?

A. Bürck: Die TYMLEZ Solution Plattform nutzt Blockchain, eine der wichtigsten Digitalisierungstechnologien, um sie für Unternehmen nutzbar zu machen. Einzigartig bei TYMLEZ sind vor allem die stark vorkonfigurierte Plattform, mit der ein Kunde mühelos mit seinem ersten Projekt starten kann. Außerdem bietet TYMLEZ eine hohe Integration mit verschiedenen SAP-Services wie zum Beispiel der neuen Hochgeschwindigkeitsdatenbank SAP HANA.
Unsere Partnerschaft mit der Software AG beruht darauf, dass die beiden Trendthemen IoT und Blockchain immer mehr zusammenwachsen. Ein Beispiel ist Track and Trace: Bringt man an Produkte oder Güter Sensoren an, senden diese Daten, die mithilfe einer IoT-Plattform wie Cumulocity ausgewertet werden können. Diese Daten können mit TYMLEZ in der Blockchain abgelegt, dort sicher vor Manipulation gespeichert und von dort weiterverarbeitet werden. So kann der Hersteller der Güter in unserem Beispiel sicher sein, dass diese in den verschiedenen Bearbeitungsschritten nicht manipuliert worden sind, was sehr wichtig für die Qualitätssicherung ist.

Auf der InnovationTour haben Sie den Besuchern der Ausstellung mehrere Showcases mit TYMLEZ gezeigt, die die für viele noch immer abstrakte Blockchain-Technologie veranschaulichten. Können Sie ein Beispiel nennen?

A. Bürck: Gern! Einer unserer Showcases stammt aus dem Healthcare-Bereich: Das niederländische Unternehmen Nico.lab entwickelte auf Basis von TYMLEZ eine KI- und Blockchain-basierte Lösung für Krankenhäuser zur besonders schnellen Behandlung von Schlaganfallpatienten bei gleichzeitig höchster Datensicherheit. Die Kombination von KI und Blockchain unterstützt die Ärzte bei der Auswertung von Hirn-Scans und trägt dazu bei, das Risiko einer Verschlechterung der Folgen für die Patienten deutlich zu verringern.
Zeit und Sicherheit sind bei Schlaganfällen ein sehr bedeutender Faktor. Aus diesem Grund ist die Blockchain für medizinische Einsatzgebiete geradezu prädestiniert.

Welche Entwicklungsschritte sehen Sie in naher Zukunft für Ihre eigene Branche?

A. Bürck: Blockchain wird in Zukunft eine ebenso große Rolle spielen wie das Internet. Denn was das Internet für Informationen ist, ist die Blockchain für Transaktionen.
Allein, dass die Bundesregierung einen Blockchain-Hub ins Leben rief spricht für sich: Der Einsatz der Blockchain ist im Grunde überall in solchen Bereichen denkbar, in denen es auf Transparenz für die Beteiligten einer Lieferkette oder eines Workflows ankommt, auf hohe Geschwindigkeit und größte Sicherheit in der Datenverarbeitung. Ich bin sicher, wir werden in naher Zukunft Blockchain in Bereichen wie der Verwaltung, in der medizinischen Versorgung oder auch beim Thema Digital Passport sehen. Da unterschiedliche Blockchains sich zunehmend miteinander verweben, wird diese Technologie ein ähnliches Netzwerk bilden wie das Internet.

Vielen Dank, Frau Bürck, für Ihre Zeit und die Hintergründe zur Zukunftstechnologie Blockchain!

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Datenschutzsouveränität in der digitalen Arbeitswelt

Datenschutzsouveränität in der digitalen Arbeitswelt

Im Forschungsprojekt “Inverse Transparenz” arbeitet die Software AG daran mit, die Datenverwendung für den Beschäftigten selbst transparent zu gestalten.

Im Arbeitsprozess fallen immer mehr Daten an, die unterschiedlich dokumentiert und sichtbar sind. Nicht immer wird für den Mitarbeiter transparent, was mit diesen Daten geschieht. Entwickelt sich hier nicht das Potenzial für eine umfassende Kontrolle und Überwachung von Beschäftigten und ihrer Arbeit? Genau damit befasst sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt Inverse Transparenz.

Mit „Vertrauenskultur statt Kontrollkultur“ setzt das Projekt ein neues Paradigma: die konsequente Teilnahme der Mitarbeiter an der Kontrolle der Verwendung ihrer Daten. Diese Offenheit zielt auf die Kontrolle der Beschäftigten (Employee Empowerment) über die eigenen Daten, stärkt das Vertrauensverhältnis zu seinem gesamten Umfeld und bietet eine regelkonforme Grundlage für den Datenumgang. Durch die Digitalisierung in der Produktentwicklung werden bei der Software AG z.B. alle Aufgaben in dem Problemverfolgungstool iTrac erfasst und priorisiert und die jeweiligen Arbeitsprozesse- und -schritte geplant. Die zentralen Systeme und ihre Daten stehen einer breiten Masse an Datennutzern, Teammitgliedern, Führungskräften, dem Management, und gegebenenfalls anderen interessierten Abteilungen für weitere Arbeitsschritte bzw. zur Informationsgewinnung zur Verfügung.

Gefahr des gläsernen Mitarbeiters

Die Daten führen zu einem digitalen Abbild der Arbeitsweise des Mitarbeiters. Technisch gesehen ermöglichen es die Systeme ohne großen Aufwand eine Verhaltens- und Leistungskontrolle über jeden Systemnutzer oder Mitarbeiter zu erstellen. Ganz im Stil des „Gläsernen Menschen“, könnte jeder Schritt verfolgt werden. Die Leistungen ließen sich mit denen anderer Kollegen vergleichen. Der Mitarbeiter könnte so in seinem Handeln, seiner Arbeitsweise und seiner Effektivität transparent werden, sich damit beobachtet und eingeschränkt fühlen und aufgrund dessen könnte sein Handeln und Verhalten beeinflusst werden.

Zusätzlich zu den klassischen Instrumentarien zum Schutz der Mitarbeiterdaten, wie sie z.B.: das Datenschutzgesetz, das Betriebsverfassungsgesetz, der Schutz durch den IuK-Ausschuss und den Betriebsrat als Kontrollorgan etc. darstellen, ist es das Ziel des Projekts „Inverse Transparenz“, die Datensouveränität der Beschäftigten zu stärken und ihnen aufzuzeigen, wie ihre Daten im Unternehmen genutzt werden, ohne einen Datenmissbrauch fürchten zu müssen.

Inverse Transparenz setzt auf drei zentrale Prinzipien:

  • „Watch the Watcher“: Die Verwendung von Daten für die Beschäftigten sichtbar machen
  • Beteiligung: Beschäftigte zu Akteuren eines beteiligungsorientierten Datenschutzes befähigen
  • Empowerment: Beschäftigte zur aktiven Nutzung von Daten befähigen, um eigenständig Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen zu verbessern

 

Expertengespräche in der Software AG

Um im Projekt ganz nah am Beschäftigten zu sein, wurden Mitarbeiter bei uns in der Software AG befragt. Die Kollegen aus allen drei wissenschaftlichen Einrichtungen des Projekts erhoben Daten an den Standorten Saarbrücken und Darmstadt. Das Sample bestand aus 22 Interviewten bei der Software AG – 14 in Darmstadt und acht in Saarbrücken. Die Interviews führten die Kollegen als Expertengespräche mit VertreterInnen des Managements aus diversen Leitungsfunktionen (Bereichs-, Abteilungs- und Teamleiter), aus HR, dem Betriebsrat sowie mit den Beschäftigten aus Entwicklung und Support durch. Dabei ging es um Fragen wie „Welche Bedeutung haben Daten im Arbeitsalltag?“ oder „Wie nutzen Beschäftigte selbst Daten aus dem Arbeitsprozess?“ und „Wie erleben sie die Transparenz?“.

Alle Interviews wurden bereits qualitativ ausgewertet. Erste Teilergebnisse der Forschungspartner zeigen, dass jüngere Befragte prinzipiell offener mit der Transparenz ihrer Daten umgehen, während etablierte Kollegen skeptischer gegenüber dem Vorhaben waren. Allerdings ist festzuhalten, dass auch sie, wie die jüngeren Kollegen, den Mehrwert der Transparenz erkannt haben und schätzen.

 

Kollegen für Praxislaboratorien gesucht

Das 36-monatige Projekt gliedert sich in drei Phasen: Analysephase, Pilotierungsphase und Transferphase. Am Ende jeder Phase steht ein Wissenschafts-Praxis-Dialog, bei dem sich Forschungspartner und die Software AG zusammenfinden, um die zentralen Befunde zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

Im zweiten Quartal des nächsten Jahres soll dann in Praxislaboratorien der Prototyp in der Praxis angewendet werden. Es werden noch Kollegen aus der Entwicklung in Deutschland gesucht, die das Tool testen wollen. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei den Projektleitern Christian Gengenbach oder Klotilda Muca melden.

 

Das Projekt Inverse Transparenz

In dem interdisziplinären Forschungsprojekt arbeiten drei wissenschaftliche Einrichtungen mit: das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF München), die Technische Universität München (TU München) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München). Sie alle haben es sich zum Ziel gesetzt, Potenziale und Anwendungsszenarien inverser Transparenz in einer digitalen Arbeitswelt zu bestimmen. Die Software AG ist nicht nur ein relevanter Forschungspartner aus der Industrie, sondern hat die spezielle Rolle des Anwendungspartner in allen Phasen der Forschung übernommen. Konkret bedeutet dies, dass bei der Software AG die Pilotlösungen erprobt und Erfolgsfaktoren für eine breite Anwendbarkeit und Umsetzung des Kozepts entwickelt werden.

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Umhüllt von Datenströmen und zartem Kakaoduft

Umhüllt von Datenströmen und zartem Kakaoduft

Im Rahmen des Forschungsprojekts EVAREST durfte ich die Schokoladenfabrik Lindt in Aachen besichtigen.

Tak, tak, tak, tak. Die Verpackungsmaschine in der Schokoladenfabrik rattert unermüdlich und  schafft 550 Tafeln in der Minute. So schnell kann ich gar nicht gucken. Zuerst wird die Tafel in hauchdünne Alufolie verpackt und dann mit dem bedruckten Karton umwickelt.  „Lindt Excellence 70% Cacao“ steht auf der Verpackung. Ab und zu fällt eine Tafel Schokolade in einen Korb. Fehler, aber der ist so unauffällig, dass ich erst mal nachfragen muss, warum die Tafel nicht weiter den Weg in den Karton findet. „Nicht korrekt gefaltet“, stillt der Werksarbeiter meine Neugierde. Bei Lindt herrschen hohe Qualitätsstandards. Bei der kleinsten Abweichung von der Norm wird aussortiert und gegebenenfalls nochmal eingeschmolzen.

Ich stehe mitten im einzigen deutschen Werk von Lindt, bewundere die hochmodernen Produktionsanlagen und nehme den zarten Kakaoduft wahr, der unaufdringlich in der Luft liegt. Manch einer beneidet mich um meine Mitwirkung im Forschungsprojekt EVAREST. Anlässlich des ersten Konsortialmeetings hat uns der Anwendungspartner Lindt zur Werksbesichtigung eingeladen. Der Besuch der Produktionshallen soll den Projektpartnern dabei helfen, bei aller „Datentheorie“ ein Gespür für den Anwendungsfall zu entwickeln.

Die Lindt & Sprüngli AG ist ein international tätiger Schweizer Schokoladenhersteller mit Sitz in Kilchberg (ZH) in der Schweiz. Die Gründung geht auf das Jahr 1898 zurück. 14.570 Mitarbeiter zählte die Unternehmensgruppe im Jahr 2018, die weltweit einen Umsatz von 4 313,2 Mrd. Schweizer Franken erwirtschaftet. Neben einer Vielzahl verschiedenster Tafelschokoladen stellt sie auch Pralinen her.  Dazu kommen saisonale Produkte wie Weihnachtsmänner oder Osterartikel.  Insgesamt wurden 2018 2.523 unterschiedliche Produkte produziert. Lindt ist in Deutschland mit einem sehr breit aufgestellten Schokoladensortiment auf dem Markt. Deutschland ist das Heim des Goldhasen und der gesamten Hohlfigurenproduktion für die Lindt & Sprüngli Gruppe.

Worum geht es bei dem vom BMWi geförderten Projekt EVAREST? In der Lebensmittelproduktion fallen massenhaft Daten an. Auf der Kakaoplantage, beim Transport und in den Fabrikhallen zählen, messen und sammeln Maschinen und Anlagen alle möglichen Werte. Von der Qualität der Rohware, über die saisonale Verfügbarkeit der Zutaten bis zur aktuellen Marktnachfrage. Wie viele Kakaobohnen ernten Bauern wann und wo? Wie steht es um die Qualität der Bohnen? Und welche Sorten ergaben besonders gute Schokolade. Analysen liefern eine Fülle von Informationen, Codes aus Zahlen und Buchstaben geben Auskunft über Rohstoff, Herkunft, Zuliefererketten, Qualitätskontrolle und Nachfrage. Diese Daten nutzen bisher nur der Bauer, der Lieferant und der Fabrikant vor Ort: jeder allein für sich, um jeweils seinen kleinen Teil der Kette im Auge zu behalten.

Gruppenfoto

Branche profitiert von Rohstoffdaten

Die Lebensmittelindustrie  will aus Datenströmen eine zusätzliche Einnahmequelle für Erzeuger und Hersteller schaffen. Aber auch für andere sind solche Daten aufschlussreich, erst recht, wenn die Informationen verknüpft werden. Weiß z. B. der Hersteller edler Schokolade früh über Qualität und Umfang der Kakaoernte Bescheid, kann er seinen Einkauf besser planen – etwa, wenn Bohnen bestimmter Güter absehbar knapp werden. Auch Finanzfachleute würden profitieren und könnten früh und fundierter Preisentwicklungen für Rohstoffe voraussagen. Solches Wissen ist bare Münze wert.

Das Projekt EVAREST hat im Januar 2019 begonnen. Ziel ist die Entwicklung und Verwertung von Datenprodukten als Wirtschaftsgut im Ökosystem der Lebensmittelproduktion. Als Basis soll eine offene technische Datenplattform geschaffen werden, die über Unternehmensgrenzen hinausgeht. Ferner werden  ökonomische und rechtliche Nutzungskonzepte entwickelt. „Die globale Serviceplattform wird auf Software der Software AG aufsetzen. Sie wird Produkte, Anlagen, Systeme und Maschinen verbinden und damit die Analyse und Verwertung von IoT-Daten in einem globalen Ökosystem ermöglichen“, sagt  Andre Litochevski aus dem Bereich Research, der seitens der Software AG für das Projekt verantwortlich ist. Zum Projektkonsortium gehören neben der Software AG und Lindt das DFKI als Konsortialführer, die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI), das Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V. (FIR) an der RWTH Aachen und die Universität des Saarlandes.

Mit Kittel und Haube

Während der Werksbesichtigung lernen wir, wie sensibel die Schokoladenproduktion ist:  So spielt zum Beispiel die Temperatur in den Hallen eine große Rolle. Weicht die Temperatur der Schokoladenmasse nur um einen halben Grad ab – und je nach Produktionsstufe muss sie mal kühler oder mal wärmer sein, – verliert die Schokolade entweder ihren Glanz oder ist nicht mehr aus den Gießformen herauszubekommen.

Hygiene ist oberstes Gebot in der Schokoladenfabrik. Ohne Kittel und weiße Haube, für die Männer sogar Bartschutz, geht in den Produktionshallen gar nichts. Immer wieder passieren wir auf dem Weg zum Besprechungsraum oder in die Kantine Hygienestationen, wo wir unsere Hände waschen und desinfizieren und nach neuen Hauben greifen.

Auch der Arbeitssicherheit wird in der Produktion oberste Priorität eingeräumt. Bereits vor Jahren wurde an sämtlichen Produktionsstandorten ein entsprechendes „Health- & Safety“-Programm implementiert. Die Einhaltung der Ziele wird kontinuierlich überprüft. Unsere Besuchergruppe wird z. B. sehr konsequent gebeten, den Handlauf an der Treppe zu benutzen. Gebotsschilder weisen zusätzlich darauf hin. Es könnte sich ja Kakaobutter auf die Schuhsohle verirrt haben und die Treppe zur gefährlichen Rutschbahn machen.

Im Rahmen des Konsortialtreffens in Aachen wurden die Ergebnisse einer von den Partnern FIR und AMI konzipierten Umfrage vorgestellt. Diese wird als Input zum Status quo der Digitalisierung der industriellen Lebensmittelproduktion genutzt. Außerdem wurden während eines Workshops verschiedene Werte und Anforderungen für zukünftige Stakeholder des Ökosystems EVAREST entwickelt. Neben der Analyse von bestehenden und der Konzeption von zukünftigen Datenströmen in der Produktion wurden bereits Möglichkeiten zur Repräsentation von Datenprodukten sowie die Einsatzmöglichkeiten von Smart Contracts zur Absicherung von Datenprodukten im Ökosystem untersucht.

Und übrigens: Wer glaubt, neidisch auf meinen „Schokoladentag“ sein müssen,
den muss ich enttäuschen: Ich esse keine Schokolade

www.evarest.de

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