Wie IoT den Verkehr revolutionieren kann

Wie IoT den Verkehr revolutionieren kann

Es stinkt in deutschen Großstädten. Umtauschaktionen für ältere Diesel und Hardwarenachrüstungen sollen die Luft wieder sauberer machen und drohende Fahrverbote abwenden. Doch auch die Digitalisierung kann dabei helfen, den Verkehr umweltfreundlicher und effizienter zu gestalten. Innovative Projekte aus dem öffentlichen Nahverkehr und der Logistik zeigen, wohin die Reise geht.

Die deutschen Autofahrer sind verunsichert. Vor allem, wer einen Diesel hat, muss sich derzeit Gedanken darüber machen, ob er künftig damit noch in die Stadt fahren darf. Dass man etwas gegen die hohe Feinstaubbelastung tun muss, ist klar. Denn schließlich geht es dabei um unser aller Gesundheit – und die unserer Kinder. Fahrverbote würden jedoch viele Verbraucher und Unternehmen schmerzhaft treffen. So warnt zum Beispiel der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV), dass Speditionen und Paketlogistiker trotz moderner Fahrzeugflotten ihren Versorgungsauftrag für den innerstädtischen Handel und die Wohnbevölkerung dann nur noch eingeschränkt erfüllen können. Während Politiker und Autohersteller um Lösungen ringen, lohnt es sich, einen Blick auf innovative Mobilitätskonzepte zu werfen. Denn auch die Digitalisierung kann dabei helfen, den Verkehr effizienter zu gestalten und die Luftqualität zu verbessern.

Emissionen im öffentlichen Nahverkehr kontrollieren

Wie sich dies bewerkstelligen lässt, zeigt das Beispiel einer europäischen Metropole. Sie hat in einem IoT-Projekt damit begonnen, ihre Busse mit einem Filtersystem nachzurüsten, das den Ausstoß von Rußpartikeln und Stickoxiden reduzieren soll. Um die Effizienz der Filter zu kontrollieren, messen Sensoren kontinuierlich die Emissionen und übertragen die Daten an eine zentrale IoT-Plattform. Über GPS-Module in den Fahrzeugen lässt sich zudem verfolgen, wo sich ein Bus gerade befindet und welche Strecke er fährt. So kann die Stadt jederzeit kontrollieren, wie viele Schadstoffe die Busse zu welcher Zeit an welchem Ort ausstoßen. Die Sensor-Daten geben darüber hinaus Aufschluss, in welchem Zustand sich ein Filtersystem befindet und wann es gewartet werden muss. Außerdem kann das Nahverkehrsunternehmen anhand der GPS-Informationen feststellen, wo und zu welchen Zeiten es auf der Strecke häufig zu Staus und Verspätungen kommt. So ist es in der Lage, Routen entsprechend zu optimieren. Bis 2021 sollen mehr als 5000 Busse des öffentlichen Nahverkehrs in das Projekt eingebunden sein.

Den Kraftstoffverbrauch in der Flotte senken

Auch beim Flottenmanagement in der Logistik kann IoT dazu beitragen, die Umweltbelastung zu reduzieren. Dabei helfen zum Beispiel Telematiksysteme. Bisher kennt man sie vorwiegend aus dem Bereich der KFZ-Versicherung. Wer einen Telematiktarif nutzt, kann durch umsichtiges Fahrverhalten seine Versicherungskosten deutlich reduzieren. Dafür erklärt er sich bereit, Echtzeitdaten aus dem Fahrzeug an den Versicherer zu übertragen. Diese Daten sind zum Beispiel Informationen über das Brems- und Beschleunigungsverhalten sowie die Fahrgeschwindigkeit. Solche Daten lassen sich im Flottenmanagement auch dazu einsetzen, den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Indem Logistik-Unternehmen die Echtzeitinformationen aus dem Fahrzeug auf einer IoT-Plattform auswerten, können sie erkennen, wo und wie sich das Fahrverhalten kraftstoffoptimierter gestalten lässt. Fahrer erhalten anschließend entsprechende Trainings.

So sparen die Flottenbetreiber langfristig Kosten und reduzieren gleichzeitig die Schadstoff-Emissionen. Außerdem können sie anhand der Daten auch den Gesundheitszustand der Fahrzeuge überwachen. Dadurch wissen sie genau, wann welche Fahrzeugteile gewartet werden müssen, und können Ausfälle vermeiden.

E-Fahrzeuge besser einsetzen

Um den Verkehr sauberer zu machen, werden künftig in der Logistik zunehmend E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Auf der internationalen Messe IAA Nutzfahrzeuge in Hannover präsentierten dieses Jahr fast alle großen Hersteller emissionsfreie LKWs mit Elektroantrieb. Um Fahrten besser planen zu können, spielt IoT eine wichtige Rolle. Anhand von Echtzeitdaten aus dem Auto wissen Logistik-Unternehmen zum Beispiel jederzeit, welchen Ladezustand und welche Reichweite ein Fahrzeug hat. Mithilfe von Umgebungsdaten können sie ermitteln, ob und wo es auf der geplanten Route Ladestationen gibt. Das ermöglicht es ihnen, die Fahrzeuge optimal einzusetzen und für reibungslose Abläufe zu sorgen.

Dass die Elektrifizierung des Güterverkehrs kommen wird, zeigt auch das vom Bundesumweltministerium geförderte Pilotprojekt Elektro-Highway. Auf der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt soll die erste Autobahnstrecke für E-LKWs entstehen. Auf einem fünf Kilometer langen Abschnitt werden derzeit 231 Masten aufgestellt und Oberleitungen gespannt, die die Lastwagen beim Fahren mit Strom versorgen. Ab Januar 2019 soll die Strecke als Feldversuch in Betrieb gehen. Zwei weitere Teststrecken auf der A1 bei Lübeck und der B462 in Baden-Württemberg sind geplant.

Verfügbarkeit beim Carsharing planen

Ein weiteres Mobilitätskonzept, um den Verkehr in Städten zu reduzieren und damit die Luftqualität zu verbessern, ist Carsharing. Anbieter haben jedoch häufig das Problem, dass sie die Verfügbarkeit der Fahrzeuge schlecht planen können. Auch hier bieten IoT-Technologien eine einfache Lösung. Indem Carsharing-Unternehmen Daten aus den Fahrzeugen und dem Buchungssystem auf einer zentralen Plattform auswerten, sehen sie, an welchen Stationen zu welchen Zeiten wie viel Andrang herrscht. Das hilft ihnen dabei, ihre Flotte bedarfsgerecht zu disponieren. So können sie dafür sorgen, dass zu den Stoßzeiten an den stark nachgefragten Orten stets ausreichend viele Fahrzeuge bereitstehen. Das steigert die Kundenzufriedenheit und führt zu mehr Akzeptanz der Angebote.

Fazit

Die Schadstoffbelastung zu reduzieren, geht uns alle etwas an. Doch es müssen nicht gleich Fahrverbote sein. Die oben genannten Beispiele zeigen, wie man mithilfe von IoT Emissionen kontrollieren, reduzieren und die Luftqualität verbessern kann. Auch Carsharing-Angebote und Elektromobilität lassen sich durch intelligente Datenanalysen optimieren. Das sind nur einige Möglichkeiten, wie die Digitalisierung den Verkehr sauberer und effizienter machen kann. Mit innovativen Konzepten und einer guten IoT-Plattform lässt sich noch viel bewegen.

Mehr zum Thema IoT in der Logistik erfahren Sie hier.

Teilen:
Warum die Digitalisierung der Supply Chain noch Fahrt aufnehmen muss

Warum die Digitalisierung der Supply Chain noch Fahrt aufnehmen muss

Erst 20 Prozent der deutschen Unternehmen haben damit begonnen, ihre Lieferkette zu digitalisieren, so das aktuelle Hermes-Barometer. Und lediglich acht Prozent haben eine digitale Supply Chain bereits umgesetzt. Das ist erstaunlich – gilt die Logistikbranche doch als Digitalisierungs-Vorreiter. Wo drückt der Schuh?

Tatsächlich haben viele Logistik-Entscheider noch nicht erkannt, welchen wirtschaftlichen Nutzen ihnen die Digitalisierung der Supply Chain bringt. Als wichtigste Technologien für ihren Bereich sehen sie selbstlernende Systeme, mobile Anwendungen und Blockchain-Technologie. IoT erachten laut der Hermes-Studie dagegen nur 32 Prozent der Befragten als relevant, Cloud-Dienste sogar nur 25 Prozent.

Vermutlich liegt das daran, dass Unternehmen bei der Digitalisierung noch zu sehr auf ihre eigenen Prozesse konzentriert sind. Derzeit kümmern sich die meisten um die Optimierung des Lagerbestandes. In der Anfangsphase ist dies sicher richtig. Doch der nächste Schritt muss über den Tellerrand hinausgehen. Denn die Supply Chain ist kein Single-Player-Spiel, sondern ein komplexes Konstrukt, an dem viele verschiedene Firmen beteiligt sind. Jeder davon hat sein eigenes proprietäres IT-System. Die große Herausforderung besteht darin, dass alle an der Lieferkette Beteiligten ihre Prozesse digitalisieren und vernetzen müssen. Wenn diese in der Lage sind, untereinander in Echtzeit Daten auszutauschen, kann Ende-zu-Ende-Transparenz über den gesamten Lieferprozess entstehen.

In der Supply Chain gibt es viel zu verbessern

Der Aufwand lohnt sich. Denn die Digitalisierung der Supply Chain hilft Unternehmen dabei, die sieben R’s der Logistik besser umzusetzen: Die Bereitstellung des richtigen Produktes, in der richtigen Menge, in der richtigen Qualität, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, zu den richtigen Kosten, für den richtigen Kunden. Am Ende zahlt sich das in barem Geld aus. Denn durch die Transparenz lassen sich Prozesse optimieren, Reaktionszeiten beschleunigen und Kosten sparen.

Derzeit hat jeder der Beteiligten nur einen Teilausschnitt des Gesamtbildes. Ein Unternehmen erfährt zwar, wann die bestellte Ware versendet wurde. Was auf dem Transportweg passiert, ist jedoch wie ein großes schwarzes Loch. Wenn ein Schiff Verspätung hat oder die Ware gar beschädigt oder gestohlen wird – all das erfährt der Empfänger meist erst am Ende des Prozesses, wenn die Lieferung nicht ankommt. So verliert er wertvolle Zeit, bis er Ersatz bestellen kann.

Echtzeit-Informationen gewinnen und Medienbrüche vermeiden

In einer digitalisierten Lieferkette wäre der Empfänger dagegen jederzeit über den Standort und Zustand seiner Bestellung informiert. Er wüsste sofort über Verspätungen oder andere Probleme Bescheid und könnte umgehend reagieren – im Idealfall schon, bevor ein Problem überhaupt auftritt. So könnte ein System zum Beispiel anhand der Wetterprognose oder des Verkehrsberichts vorhersagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Verzögerungen ist.

Indem die IT-Systeme aller Beteiligten miteinander kommunizieren, können sie auch Dokumente wie Frachtpapiere oder Empfangsbestätigungen digital und medienbruchfrei austauschen. Das vermeidet Übertragungsfehler von Papierdokumenten und beschleunigt bürokratische Prozesse.

Mit Asset Tracking Waren immer im Blick behalten

Eine wichtige Rolle innerhalb der digitalisierten Lieferkette spielt das Asset-Tracking. Dafür gibt es bereits zahlreiche Anwendungen. Asset-Tracking dient sowohl dazu, die Transportmittel wie LKW oder Container zu verfolgen, als auch die Ware an sich. Dadurch können Unternehmen eine Sendung über alle Kontaktpunkte der Supply Chain hinweg überwachen. Solche IoT-Anwendungen liefern nicht nur Informationen darüber, wo sich die Bestellung gerade befindet. Sie können zum Beispiel auch über Sensoren die Temperatur in einem Container kontrollieren und eine Warnmeldung absetzen, wenn es zu warm wird. Gerade beim Transport von verderblichen Lebensmitteln kann dies wichtig sein, um Aufschluss über den Zustand der Ware zu erhalten. Lichtsensoren erkennen, wann ein Container geöffnet wird. Passiert dies zu einer ungeplanten Zeit, kann das auf einen Diebstahl hindeuten.

Die Zukunft ist vernetzt

Laut der Hermes-Studie sind sich immerhin 42 Prozent der Unternehmen bewusst, dass sie digitalisierte Prozesse in der Lieferkette schaffen müssen. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, dass sie bei der Auswahl ihrer Logistik-Dienstleister künftig auch auf deren Digitalisierungs-Expertise achten wollen. Um Ende-zu-Ende-Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg zu schaffen, müssen sich alle Beteiligten vernetzen. Am besten geht das über eine zentrale Cloud-Plattform, die Schnittstellen zu den Einzelsystemen bietet und über die der gesamte Kommunikationsfluss läuft. Die Digital Business Platform der Software AG schafft dafür die Grundlage.

Erfahren Sie hier mehr über die Digitalisierung der Supply Chain oder sprechen Sie auf dem Deutschen Logistik-Kongress in Berlin direkt mit unseren Experten.

Teilen: